Long & Short
Referenz

Glossar

Die Begriffe der Site, alphabetisch — jeder Eintrag verlinkt sein Heimatkapitel. Das Glossar wächst mit den Kapiteln.

A

Abgeltungsteuer
Pauschalsteuer auf Kapitalerträge: 25 % plus Soli (zusammen 26,375 %), vom deutschen Broker automatisch abgeführt — damit „abgegolten“. Siehe § 14.1.
Angemessenheitsprüfung
Die gesetzlichen Fragen nach Kenntnissen und Erfahrung vor dem Handel komplexer Produkte — der Broker muss warnen, wenn ein Produkt nicht passt. Siehe § 13.2.
Aktie Share / Stock
Handelbarer Anteil an einem Unternehmen: Miteigentum in gleiche Stücke zerlegt, mit Dividenden- und Stimmrecht, ohne Rückzahlungsversprechen. Siehe § 1.1.
Aktivistischer Investor Activist
Baut eine bedeutende Beteiligung auf (oft ~10 %), um Veränderungen zu erzwingen: Board-Sitze, Strategie, Abspaltungen — kalkuliert mit den Stimmen, die passive Aktionäre nicht erheben. Siehe § 11.5.
Anleihe Bond
Handelbarer Kredit: fester Kupon während der Laufzeit, Rückzahlung des Nennwerts bei Fälligkeit. Einzige bewegliche Größe ist der Kurs. Siehe § 4.1.

B

BaaS / Lizenzdach Banking as a Service
Modell, bei dem ein Anbieter ohne eigene Banklizenz Konto und Depot von einer Partnerbank (in Deutschland dominierend: Baader Bank) führen lässt. Bestimmt, wessen Einlagensicherung greift. Siehe § 3.5.
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: vergibt und entzieht Lizenzen, überwacht Broker und Banken, erzwingt Warnhinweise und Auflagen. Siehe § 13.1.
Basispunkt bp
0,01 Prozentpunkte. Renditedifferenzen werden in Basispunkten gemessen: „der Spread weitete sich um 30 bp“. Siehe § 9.1.
Basiswert Underlying
Das Papier (oder der Preis), von dem ein Derivat seinen Wert ableitet. Siehe § 10.1.
Best Execution
Gesetzliche Pflicht des Brokers, beim Routing das beste Gesamtergebnis für den Kunden anzustreben (Preis plus Kosten). Heimatkapitel: § 13.
Bid-to-Cover
Verhältnis der Gebote zur angebotenen Summe einer Auktion. Unter 1 = „technisch unterzeichnet“ — wegen der → Marktpflegequote nicht dasselbe wie „gescheitert“. Siehe § 5.2.
Börse
Regulierter Handelsplatz, an dem ein Orderbuch oder ein Market Maker Preise erzeugt — in Deutschland ein halbes Dutzend nebeneinander. Siehe § 1.5.
Briefkurs Ask
Die niedrigste Verkaufsforderung im Orderbuch — der Preis, zu dem man sofort kaufen kann. Gegenstück: → Geldkurs. Siehe § 1.2.
Bruchstück Fractional Share
Anteiliger Aktien-/ETF-Bestand („für 50 € kaufen“). Existiert nur zwischen Kunde und Broker — börsengehandelt werden ganze Stücke; verkaufen kann man Bruchstücke nur an den Broker selbst. Siehe § 2.5.
BTP-Bund-Spread
Italienische minus deutsche 10-Jahres-Rendite — das Fieberthermometer der Eurozone: misst das Vertrauensgefälle, nicht das Zinsniveau. Siehe § 9.2.
Bund / Bundesanleihe
Deutsche Staatsanleihe — Referenzmaßstab der Eurozone und einer der zwei globalen sicheren Häfen. Verwandte Kosenamen: Treasury (USA), Gilt (UK), BTP (Italien), JGB (Japan). Siehe § 5.1.

C

Call / Put
Die zwei Grundoptionen: Call = Kaufrecht, Put = Verkaufsrecht zum festen Strike-Preis — Recht, nicht Pflicht, gegen Prämie. Siehe § 10.2.
Carry
Was eine Position laufend einbringt oder kostet. Anleihe-Long: kassiert den Kupon (positiv). Short: ersetzt Kupon/Dividende und zahlt Leihgebühr (negativ) — man blutet täglich, auch wenn die These stimmt. Siehe § 8.3.
CCP Central Counterparty
Zentrale Gegenpartei: tritt nach dem Handel zwischen Käufer und Verkäufer, verrechnet Geschäfte zu Salden (Netting) und garantiert die Erfüllung. Siehe § 2.3.
CFD Contract for Difference
Differenzkontrakt: gehebelte Wette auf die Kursbewegung eines Basiswerts, ohne ihn zu besitzen. Die Pflicht-Warnhinweise beziffern die Verluststatistik der Kleinanleger. Siehe § 10.3.
Clearing
Verrechnung und Absicherung der Geschäfte nach dem Handel, in der Regel über eine → CCP. Siehe § 2.3.
CSD / Zentralverwahrer Central Securities Depository
Verwahrt Wertpapiere zentral als Registereinträge und führt das Settlement durch — in Deutschland: Clearstream. Siehe § 2.3.

D

Depot
Konto zur Verwahrung von Wertpapieren, begleitet vom → Verrechnungskonto für das Geld. Inhalt ist → Sondervermögen.
Derivat
Vertrag, dessen Wert sich von einem Basiswert ableitet (Future, Option, Zertifikat, CFD) — zum Absichern (Hedging) erfunden, mit eingebautem Hebel handelbar. Siehe § 10.
Diversifikation Streuung
Risiko verteilen, indem man viele Papiere statt eines hält — der Grundgedanke hinter Fonds und ETFs. Siehe § 1.4.
Dividende
Der an die Aktionäre ausgeschüttete Teil des Unternehmensgewinns, anteilig pro Aktie. Kein Versprechen: ohne Gewinn (oder Beschluss) keine Dividende. Siehe § 1.1.
Duration
Maß für die Zinsempfindlichkeit einer Anleihe: je länger die Restlaufzeit (genauer: die durchschnittliche Kapitalbindung), desto stärker reagiert der Kurs auf Renditeänderungen. Siehe § 4.5.

E

Einlagefazilität
Der Zinssatz, zu dem Banken Reserven über Nacht bei der Zentralbank parken — einer der Leitzinsen, und die Quelle des → Zinsüberschusses der Broker. Siehe § 7.1.
EdW Anlegerentschädigung
Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen: 90 % der Forderung, max. 20 000 € — greift, wenn Papiere nicht herausgegeben werden (Veruntreuung), nie bei Kursverlusten. Siehe § 13.3.
Einlagensicherung
Gesetzlicher Schutz von Bankeinlagen (auch Verrechnungskonten) bis 100 000 € pro Kunde und Bank. Beim Lizenzdach-Modell zählt die Partnerbank. Siehe § 13.3.
EIX European Investor Exchange
Market-Maker-Börse, seit Ende 2024 von Scalable Capital gemeinsam mit der Börse Hannover betrieben — das Paradebeispiel für → Internalisierung nach dem PFOF-Verbot. Siehe § 3.3.
ETF Exchange Traded Fund
Börsengehandelter Fonds: ein Korb von Wertpapieren, dessen Anteile wie eine Aktie im Orderbuch gehandelt werden; meist passiv einem Index folgend. Siehe § 1.4.
EZB Europäische Zentralbank
Zentralbank der 21 Euro-Staaten (Frankfurt; Stand Juli 2026). Auftrag: Preisstabilität (~2 % Inflation); direkte Staatsfinanzierung ist ihr durch Art. 123 AEUV verboten. Siehe § 7.

F

Fälligkeit Maturity
Der Termin, zu dem der Nennwert einer Anleihe zurückgezahlt wird. Siehe § 4.1.
Finanzagentur
Die Schuldenmanagerin des Bundes: plant Emissionen, führt die Auktionen durch (Abwicklung: Bundesbank), verwaltet den Eigenbestand. Siehe § 5.2.
Flucht in Qualität Flight to Quality
Krisenreflex des großen Geldes: raus aus Riskantem, hinein in sichere Häfen (Bunds, Treasuries) — deren Renditen dadurch fallen. Siehe § 5.5.
Fonds Fund
Sammelt Geld vieler Anleger und kauft davon einen Korb von Wertpapieren; klassisch mit aktivem Manager, der aus dem Korb bezahlt wird. Siehe § 1.4.
Forward Rate impliziter Terminzins
Die aus der Zinsstrukturkurve herausrechenbare Markterwartung für künftige Zinsen — eine Erwartung mit Preisschild, keine Prophezeiung. Siehe § 6.2.
Framework (These · Katalysator · Timing · Carry)
Die vier Fragen, die eine Meinung von einer Wette trennen: Was glaube ich? Was zwingt den Markt, zuzustimmen? Wann? Was kostet das Warten? Siehe § 12.
Freistellungsauftrag
Anweisung an den Broker, den Sparer-Pauschbetrag (1 000 €/Person und Jahr) direkt zu berücksichtigen — ohne ihn wird auch unterhalb des Freibetrags Steuer einbehalten. Siehe § 14.2.
Future
Standardisiertes, börsengehandeltes Termingeschäft: Preis heute, Erfüllung später — verpflichtend für beide Seiten. Siehe § 10.1.

G

Geldkurs Bid
Das höchste Kaufgebot im Orderbuch — der Preis, zu dem man sofort verkaufen kann. Gegenstück: → Briefkurs. Siehe § 1.2.
gettex
Market-Maker-Handelsplatz der Börse München mit der Baader Bank als Kursteller. Siehe § 1.5.

H

Hebel Leverage
Kleiner Einsatz, volle Kursbewegung: vergrößert Gewinne und Verluste im selben Verhältnis — nicht die Wahrscheinlichkeit, recht zu haben. Siehe § 10.3.
Hedging Absicherung
Ein Risiko durch ein Gegengeschäft neutralisieren — der Ursprungszweck der Derivate und die Logik hinter dem zweiten Bein jedes Spread-Trades. Siehe § 10.1, § 9.3.

I

Index
Feste Rechenregel über eine Gruppe von Wertpapieren — z. B. der DAX über die 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen. Grundlage der meisten ETFs.
Internalisierung
Verlagerung der Ausführung (und damit des Spread-Ertrags) auf einen konzerneigenen Handelsplatz — die Antwort der Neobroker auf das PFOF-Verbot. Siehe § 3.3.

K

KGV P/E Ratio
Kurs-Gewinn-Verhältnis: Marktkapitalisierung geteilt durch Jahresgewinn — wie viele Jahresgewinne man für die Firma zahlt. Das Arbeitspferd der Bewertungs-Multiples. Siehe § 11.2.
Knock-out-Zertifikat
Gehebeltes Retail-Derivat mit eingebauter Schwelle: Berührt der Kurs sie, verfällt das Papier sofort und endgültig — Totalverlust, auch wenn sich der Basiswert erholt. Siehe § 10.3.
KYC Know Your Customer
Gesetzliche Identifizierungspflicht aus der Geldwäsche-Bekämpfung: kein Konto ohne geprüfte Identität. Siehe § 13.2.
Kontrahentenrisiko
Das Risiko, dass die Gegenpartei eines Geschäfts zwischen Handel und Erfüllung ausfällt — der Grund, warum es die → CCP gibt. Siehe § 2.3.
Kupon Coupon
Der feste, vertraglich fixierte Zins einer Anleihe auf den Nennwert — er ändert sich nie; die Anpassung an den Markt leistet der Kurs. Nicht zu verwechseln mit der → Rendite. Siehe § 4.1.
Kurs
Der Preis des letzten zustande gekommenen Geschäfts — das Protokoll des letzten Handschlags, keine amtliche Bewertung. Siehe § 1.2.
Kurs-Rendite-Inversion
Steigen die Marktrenditen, fallen die Kurse existierender Anleihen — zwingend, nicht als Tendenz. „Renditen steigen“ und „Kurse fallen“ sind derselbe Satz. Siehe § 4.4.

L

Leitzins
Die von der Zentralbank festgelegten Zinssätze für das Geschäft der Banken mit ihr — der einzige Zins, der wirklich „eingestellt“ wird; er verankert das kurze Ende der Zinsstrukturkurve. Siehe § 7.1.
Limit-Order
Auftrag mit Preisgrenze: nur zu meinem Preis oder besser; wartet ggf. im Orderbuch. Siehe § 2.1.
Liquidität
Wie schnell und günstig sich ein Papier handeln lässt, ohne den Preis zu bewegen. Enger Spread + volles Buch = liquide. Siehe § 1.3.
Long / Short
Long = besitzen, auf Steigen setzen; Verlust begrenzt auf den Einsatz. Short = geliehen verkaufen, auf Fallen setzen; Gewinn gedeckelt, Verlust unbegrenzt, Carry negativ. Siehe § 8.
LS Exchange
Market-Maker-Handelsplatz an der Börse Hamburg mit Lang & Schwarz als Kursteller; Handel 7:30–23:00. Siehe § 1.5.

M

Margin Call Nachschussforderung
Aufforderung an den Inhaber einer gehebelten oder Short-Position, Sicherheiten nachzuschießen — wer nicht kann, wird zwangsweise glattgestellt, oft am Punkt des maximalen Schmerzes. Siehe § 8.4.
Market Maker Kursteller
Stellt fortlaufend Geld- und Briefkurs und verdient an der Spanne — bezahlt wird er fürs Dastehen, nicht fürs Klugsein. Sein Spread wächst mit dem Risiko. Siehe § 1.3.
Market-Order
Auftrag „sofort, zum besten verfügbaren Preis“ — nimmt, was im Buch steht, notfalls über mehrere Preisstufen. Siehe § 2.1.
Marktkapitalisierung Market Cap
Kurs × Stückzahl: der Preis des ganzen Unternehmens zum letzten Handschlag — mit dessen Schwächen. Siehe § 11.1.
Marktpflegequote / Eigenbestand
Der Teil einer Bund-Auktion, den der Bund routinemäßig zurückbehält und später im Sekundärmarkt verkauft. Der Grund, warum ein Bid-to-Cover unter 1 kein „Scheitern“ ist. Siehe § 5.3.
MiFID II / MiFIR
Das EU-Regelwerk für Wertpapierdienstleistungen: Wohlverhalten, Best Execution, Kostentransparenz (Richtlinie) und Marktregeln bis zum PFOF-Verbot (Verordnung, Art. 39a). Siehe § 13.1.
Mitbestimmung
Gesetzliche Arbeitnehmerbeteiligung: In großen Gesellschaften stellen Beschäftigte bis zur Hälfte des Aufsichtsrats — Bundesgesetz, nicht Satzung, und damit die härteste Hürde jeder „Unlock the value“-These. Siehe § 11.4.
Monetarisierung
Staatsfinanzierung über die Notenpresse: Die Zentralbank kauft die Anleihen des eigenen Staates mit neu geschaffenem Geld. Im Euro einseitig versperrt (Art. 123 AEUV). Siehe § 7.2.
MTF Multilateral Trading Facility
Multilaterales Handelssystem — eine Handelsplatz-Lizenzkategorie unterhalb der klassischen Börse; Trade Republic betreibt seit 2026 ein eigenes. Siehe § 3.3.

N

Nennwert Face Value / Principal
Der Betrag, den eine Anleihe bei Fälligkeit zurückzahlt — Bezugsgröße für Kupon und Kursnotierung (Kurs in Prozent des Nennwerts). Siehe § 4.1.
Nullzins-Ära Zero / Negative Interest Rate Policy
Die Jahre von Mitte der 2010er bis 2022, in denen die EZB die Leitzinsen auf und unter null hielt und selbst zehnjährige Bundesanleihen zeitweise negativ rentierten. In dieser Zeit begebene Anleihen tragen Kupons nahe null — sie wirken über den Rollover noch Jahre nach. Beendet durch die → Zinswende. Siehe § 6.4.

O

Omnibus-Depot
Sammelverwahrung: Kundenbestände liegen gepoolt, aber strikt getrennt vom Eigenbestand des Instituts. Siehe § 2.4.
OMT Outright Monetary Transactions
Das „Whatever it takes“-Instrument der EZB (2012): potenziell unbegrenzte Anleihekäufe für Staaten unter Reformprogramm. Nie eingesetzt — die Existenz genügte. Siehe § 7.4.
Option
Das Recht — nicht die Pflicht —, einen Basiswert zum festen Strike zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put), gegen Prämie. Verlust des Käufers: maximal die Prämie. Siehe § 10.2.
Orderbuch
Die nach Preis sortierte Liste aller wartenden Kauf- und Verkaufsaufträge; treffen sich bestes Gebot und beste Forderung, entsteht ein Geschäft. Siehe § 1.2.

P

PFOF Payment for Order Flow
Rückvergütung des Market Makers an den Broker für zugeleiteten Orderstrom — Finanzier der Null-Euro-Order. EU-weit verboten (MiFIR Art. 39a); Deutschland nutzte die Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026. Siehe § 3.2.
Primärmarkt / Sekundärmarkt
Primärmarkt: der Erstverkauf eines Papiers (bei Staatsanleihen: die Auktion). Sekundärmarkt: der laufende Handel danach, im Orderbuch. Siehe § 5.2.

Q

QE Quantitative Easing
Anleihekäufe der Zentralbank am Sekundärmarkt, um auch die langen Renditen zu drücken — geldpolitisches Werkzeug, der Monetarisierung verwirrend ähnlich, aber anders begründet und geregelt. Siehe § 7.2.

R

Quellensteuer
Steuer, die der Herkunftsstaat ausländischer Dividenden direkt einbehält (US-Standard: 15 %); deutsche Broker rechnen sie automatisch auf die Abgeltungsteuer an. Siehe § 14.4.
Rating
Benotung der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Schuldners durch Agenturen (Moody’s, S&P, Fitch); Bestnote AAA. Eine überprüfbare Meinung mit Datum — keine Garantie. Siehe § 5.5.
Recovery Fund / NGEU
Das 2020 beschlossene EU-Programm mit gemeinsamen europäischen Anleihen — fiskalischer (nicht EZB-)Teil des Euro-Sicherheitsnetzes und Präzedenzfall fürs kollektive Borgen in der Krise. Siehe § 7.4.
Referenzmarktprinzip
Solange der Referenzmarkt (Xetra) geöffnet ist, müssen sich andere Handelsplätze an dessen Preisen orientieren. Nach Börsenschluss entfällt der Anker — die Spreads weiten sich. Siehe § 1.5.
Relative Value
Die Profi-Denkform: nicht „X ist zu teuer“, sondern „X ist zu teuer im Verhältnis zu Y“ — gehandelt als Paar, das alle Nebenwetten herauskürzt. Siehe § 9.4.
Rendite Yield
Die effektive Verzinsung einer Anleihe zum heutigen Kaufpreis: Kupon plus Kursgewinn/-verlust bis zur Fälligkeit. „Die 10-jährige steht bei 2,7 %“ meint immer die Rendite, nie den Kupon. Siehe § 4.2.
Rollover
Das ständige Ersetzen auslaufender Schulden durch neue — Staaten tilgen nicht, sie rollen. Deshalb erreicht ein Zinsanstieg den Haushalt nur langsam („slow bleed“). Siehe § 5.4.

S

Schuldendienst
Die jährliche Zinsrechnung eines Schuldners. Beim Staat gefährlich nicht als absolute Zahl, sondern als Anteil an Haushalt und Wirtschaftsleistung — und träge dank Rollover. Siehe § 5.4 und § 6.4.
Settlement
Die Erfüllung des Geschäfts: Lieferung der Papiere gegen Geld beim → CSD. Heute T+2, ab dem 11. Oktober 2027 EU-weit T+1. Siehe § 2.3.
Sicherer Hafen Safe Haven
Anlage, in die Geld in Krisen flieht (Bunds, Treasuries): als sicher geltende Rückzahlung plus Markttiefe. Kontraintuitive Folge: In der Krise fallen die Renditen des Hafens. Siehe § 5.5.
Sondervermögen
Wertpapiere im Depot gehören rechtlich dem Kunden und fallen bei einer Broker-Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse — der wichtigste Anlegerschutz überhaupt. Siehe § 2.4.
Sparplan
Automatisierter regelmäßiger Kauf für einen festen Betrag; der Broker bündelt tausende Aufträge zu Sammelorders mit Durchschnittskurs. Siehe § 2.5.
Spread Geld-Brief-Spanne
Die Lücke zwischen Geld- und Briefkurs — der Preis der Sofortigkeit, fällig bei jedem Hin und Zurück; wächst mit Risiko und dünnem Handel. Siehe § 1.2. Achtung: Ab § 9 hat das Wort eine zweite Bedeutung (Renditedifferenz zweier Anleihen).
Sparer-Pauschbetrag
Freibetrag für Kapitalerträge: 1 000 € pro Person und Jahr (2 000 € bei Paaren; Stand Juli 2026) — aktiviert per → Freistellungsauftrag. Siehe § 14.2.
Staatsfonds Sovereign Wealth Fund
Staatliches Anlagevehikel (Norwegen, Singapur, Golfstaaten) — die Kapitalquelle, die Übernahme-Thesen über deutsche Konzerne voraussetzen. Siehe § 11.5.
Stop-Order
Schlafender Auftrag mit Weckschwelle: Berührt der Kurs den Stop-Preis, wird daraus eine Market-Order — die Schwelle ist kein garantierter Ausführungspreis. Siehe § 2.1.

T

T+2 / T+1
Abstand zwischen Handelstag (T) und Erfüllung. EU heute T+2; Umstellung auf T+1 am 11. Oktober 2027 (Nordamerika seit Mai 2024). Siehe § 2.3.
Teilausführung
Eine Order wird nur teilweise ausgeführt, weil auf der besten Preisstufe nicht genug Volumen liegt; der Rest wartet (Limit) oder läuft die Buchseite hinauf (Market). Siehe § 2.1.
Tender
Fachjargon der Finanzagentur für das Auktionsverfahren, mit dem der Bund neue Anleihen begibt. Siehe § 5.2.
Termingeschäft
Preis heute, Erfüllung später (Gegensatz: Kassageschäft — sofort). Standardisiert und börsengehandelt: der Future. Siehe § 10.1.
TPI Transmission Protection Instrument
EZB-Instrument (2022) gegen „ungerechtfertigte“ Renditeabstände zwischen Euro-Staaten — Eingriff nach Ermessen. Teil des Euro-Sicherheitsnetzes. Siehe § 7.4.
Tradegate
Auf Privatanleger spezialisierte Market-Maker-Börse, nach Xetra der umsatzstärkste Platz für Privatanleger. Siehe § 1.5.
Transmission
Der Kanal, über den Bund-Renditen alle anderen Zinsen bewegen: Der risikofreie Satz ist der Sockel, auf dem Bauzinsen, Firmenkredite und Länderanleihen kalkuliert werden. Siehe § 6.3.

V

Verlustverrechnungstöpfe
Getrennte Steuer-Töpfe beim Broker: Aktienverluste verrechnen sich nur mit Aktiengewinnen (Aktien-Topf); der allgemeine Topf (Zinsen, Dividenden, Fonds, Derivate) ist flexibler. Siehe § 14.3.
Value Trap / Mispricing
Die zwei Erklärungen für ein niedriges Multiple: Der Markt irrt (Mispricing — Chance) oder er hat recht (Value Trap — der Abschlag bepreist ein reales Problem). Von außen identisch; unterscheidbar nur über die Gründe. Siehe § 11.3.
Verrechnungskonto
Das Geldkonto neben dem Depot, aus dem Käufe bezahlt und auf das Verkäufe und Dividenden gebucht werden. Rechtlich eine Bankeinlage — Schutzlogik: Einlagensicherung, nicht Sondervermögen. Siehe § 2.2.

W

Wertpapier
Verbrieftes, standardisiertes, übertragbares Recht — die Eigenschaft, die Anteile, Kredite und Körbe handelbar macht. Siehe § 1.4.
Wertpapierleihe Securities Lending
Der Broker verleiht Depotbestände gegen Gebühr; wirtschaftlich bleiben die Papiere beim Kunden. Wer sie leiht und wozu: § 8. Siehe auch § 3.4.
Widow-Maker
Spitzname des Shorts auf japanische Staatsanleihen: Jahrzehnte plausibler Thesen, Jahrzehnte ruinierter Händler — das Lehrstück, dass eine richtige These kein Trade ist. Siehe § 8.5.

X

Xetra
Das vollelektronische Orderbuch der Deutschen Börse (9:00–17:30) — Referenzmarkt für den deutschen Aktienhandel. Siehe § 1.5.

Z

Zentralbank
Die Bank der Banken: führt deren Reservekonten und setzt die Leitzinsen. Für den Euroraum: die → EZB. Siehe § 7.1.
Zinsausgabenquote
Anteil der Zinsausgaben an den Gesamtausgaben eines öffentlichen Haushalts — anschaulich: Wie viele von 100 Haushalts-Euro gehen an die Gläubiger? Macht die Zinslast über Jahre und zwischen Staaten vergleichbar, wo absolute Milliardenbeträge in die Irre führen. Die verwandte Zins-Steuer-Quote teilt stattdessen durch die Steuereinnahmen. Siehe § 6.4.
Zinsstrukturkurve Yield Curve
Die Renditen eines Schuldners über alle Laufzeiten, als Kurve: normal steigend (Prämie für Bindung), invers als Warnsignal (Markt erwartet Zinssenkungen). Siehe § 6.1.
Zinsüberschuss Net Interest Income, NII
Marge zwischen dem, was der Broker mit geparktem Kundengeld verdient, und dem, was er weitergibt — seit der → Zinswende die tragende Erlössäule vieler Anbieter. Siehe § 3.4.
Zinswende
Der Ausstieg aus der → Nullzins-Ära ab Sommer 2022: Die EZB hob die Leitzinsen in schneller Folge aus dem Negativen auf rund 4 %, die Anleiherenditen aller Laufzeiten stiegen mit — und die Kurse existierender Anleihen fielen entsprechend (Kurs-Rendite-Inversion). Siehe § 6.4.