Glossar
Die Begriffe der Domäne — von Best Execution über Omnibus-Depot und Referenzmarktprinzip bis Sondervermögen. Kurzreferenz zum Nachschlagen und Verlinken.
A
- Abgeltungsteuer
- Pauschale Steuer auf Kapitalerträge (25 % + Soli ≈ 26,375 %, ggf. zzgl. Kirchensteuer). Inländische Broker führen sie automatisch ab und verwalten Verlusttöpfe und Pauschbetrag.
- Angemessenheitsprüfung
- Prüfung von Kenntnissen und Erfahrung des Kunden im beratungsfreien Geschäft — Pflicht besonders bei komplexen Produkten wie Derivaten. Abzugrenzen von der weitergehenden Geeignetheitsprüfung.
- APA Approved Publication Arrangement
- Zugelassener Veröffentlichungsdienst, über den Handelsplätze und Systematische Internalisierer ihre Abschlüsse öffentlich machen (Post-Trade-Transparenz, MiFIR).
B
- Best Execution
- Pflicht zur bestmöglichen Ausführung (MiFID II Art. 27): „all sufficient steps“, für Privatkunden gemessen am Gesamtentgelt aus Preis und allen ausführungsbezogenen Kosten.
- Bruchstücke Fractional Shares
- Anteilige Aktien/ETFs. Man investiert nach Betrag statt Stückzahl; entstehen über Sparpläne oder Kapitalmaßnahmen und werden vom Broker intern/treuhänderisch abgewickelt.
C
- CCP Central Counterparty
- Zentrale Gegenpartei, die beim Clearing zwischen Käufer und Verkäufer tritt, Positionen nettet und die Erfüllung garantiert — reduziert das Kontrahentenrisiko.
- Clearing
- Verrechnung/Netting und Absicherung der Geschäfte nach der Ausführung, in der Regel über eine CCP.
- CSD / ICSD Zentralverwahrer
- Verwahrt Wertpapiere zentral und führt das Settlement durch (z. B. Clearstream). Der ICSD ist das internationale Pendant.
- Custody Verwahrung
- Verwahrung der Wertpapiere — als Omnibus-/Sammeldepot (gepoolt, aber vom Eigenbestand des Instituts segregiert) oder individuell-segregiert.
D
- Depot
- Konto zur Verwahrung von Wertpapieren, begleitet von einem Verrechnungskonto für Cash.
- Derivat
- Finanzkontrakt, dessen Wert sich von einem Basiswert ableitet (Aktie, Index, Rohstoff …). Prägendes Merkmal ist der Hebel. Siehe Derivate.
E
- EdW / EdB
- Anlegerentschädigung (max. 20.000 €, 90 % der Forderungen aus Wertpapiergeschäften) bzw. gesetzliche Einlagensicherung (bis 100.000 € pro Kunde und Bank).
- ETF
- Börsengehandelter Indexfonds; bei Neobrokern Kernprodukt (Sparpläne, Inducements der Anbieter). Als Sondervermögen insolvenzgeschützt.
- Event Sourcing
- Architekturmuster: Jede Zustandsänderung wird als unveränderliches Event in einem Append-only-Log gespeichert; der Zustand entsteht durch Replay. Liefert lückenlosen Audit-Trail.
F
- FIX-Protokoll
- Standard-Nachrichtenprotokoll für Order-Routing und Execution-Reports zwischen Brokern, Börsen und Liquiditätsanbietern (z. B. 35=D New Order, 35=8 Execution Report).
I
- Idempotenz
- Eigenschaft, dass eine wiederholte Order-Anfrage (Retry) nicht zu doppelter Ausführung führt — umgesetzt über Idempotency-Keys und Deduplizierung.
- ISIN / WKN
- Internationale (12-stellig) bzw. deutsche (6-stellig) Wertpapierkennnummer zur eindeutigen Identifikation eines Papiers.
K
- Kassamarkt
- Sofortiger Handel mit (nahezu) sofortiger Lieferung — Gegensatz zum Terminmarkt der Derivate.
L
- Limit- / Market-Order
- Ausführung nur zum Limitpreis oder besser vs. sofortige Ausführung zum nächsten Kurs. Die Stop-Order wird bei Erreichen einer Schwelle zur Market-/Limit-Order.
M
- Market Maker
- Stellt fortlaufend Bid/Ask und sorgt für Liquidität; verdient am Spread (z. B. Lang & Schwarz, Baader Bank).
- MTF Multilateral Trading Facility
- Multilaterales Handelssystem. Trade Republic ist seit Januar 2026 als MTF-Betreiber lizenziert.
N
- NII Net Interest Income
- Zinsüberschuss auf Kundeneinlagen — seit dem Zinsanstieg eine zentrale Erlössäule der Neobroker.
O
- Order
- Auftrag zum Kauf/Verkauf mit Typ (Market/Limit/Stop), Menge/Betrag, Gültigkeit und Ausführungsplatz.
- OTC Over the Counter
- Außerbörslicher Direkthandel zwischen zwei Parteien.
P
- PFOF Payment for Order Flow
- Rückvergütung des Market Makers an den Broker für zugeleitete Orders. In der EU ab dem 30.06.2026 verboten (MiFIR Art. 39a).
- Position
- Aktueller Bestand eines Wertpapiers im Depot.
R
- Referenzmarktprinzip
- Während der Xetra-Kernzeiten müssen sich andere Handelsplätze an dessen Preisen orientieren.
S
- Settlement
- Erfüllung des Geschäfts (Lieferung Papier gegen Geld), T+2, künftig T+1 (EU/UK ab 11.10.2027).
- Smart Order Routing
- Automatisierte Auswahl des Ausführungsplatzes nach Preis, Liquidität, Kosten, Wahrscheinlichkeit und Geschwindigkeit — technische Umsetzung der Best-Execution-Pflicht.
- Sondervermögen
- Wertpapiere der Kunden, die nicht in die Insolvenzmasse des Brokers fallen, weil sie wirtschaftlich dem Kunden gehören.
- Sparplan
- Automatisierter regelmäßiger Kauf mit Sammelausführung, oft mit Bruchstücken.
- Spread
- Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Brief/Geld) — der eigentliche Preis des Handels auf Market-Maker-Plätzen.
- Systematischer Internalisierer SI
- Wertpapierfirma, die Kundenorders in erheblichem Umfang gegen das eigene Buch ausführt statt sie an einen Handelsplatz zu leiten — und deshalb eigenen Transparenzpflichten (Pre-/Post-Trade) unterliegt.
T
- Teilausführung
- Ausführung nur eines Teils der Order, wenn nicht genug Volumen zum gewünschten Preis vorhanden ist; der Rest bleibt offen.
W
- Wertpapierleihe Securities Lending
- Verleih von im Depot gehaltenen Papieren gegen Gebühr; das wirtschaftliche Eigentum bleibt beim Kunden.
X
- Xetra
- Elektronischer Referenzmarkt der Deutschen Börse; höchste Liquidität, liefert die Referenzkurse (9:00–17:30 Uhr).