Nur teilweise elegant

Im ersten Teil von “The Elegant Universe: Superstrings, Hidden Dimensions, and the Quest for the Ultimate Theory” werden die Grundlagen der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik anschaulich und mit tollen Beispielen erklärt. Es ist die beste Einführung, die ich bisher gelesen habe und klar 5 Sterne.

The Elegant Universe: Superstrings, Hidden Dimensions, and the Quest for the Ultimate Theory

Mit dem zweiten Teil habe ich allerdings Probleme, denn er ist nicht bodenständig genug. Der Autor schreibt z. B. in Kapitel 11 als “Ich-Erzähler” über seine Entdeckungen und mit welchen Professoren er diskutiert hat. Das liest sich nicht wie ein Sachbuch, sondern wie eine Autobiographie. Der Autor verliert hier die kritische Distanz zu seiner eigenen Forschung. Und er vergisst meiner Meinung nach auch zu oft, dass es sich bei der String “Theory” nur um eine Hypothese handelt.

Denn in der Physik werden mathematische Modelle erstellt, die die physikalische Realität möglichst genau darstellen sollen. Zuerst wird eine Vermutung, eine Hypothese als Menge von Formeln aufgestellt. Erst wenn die Formeln genügend oft in Experimenten überprüft bzw. verifiziert wurden und sie hinreichend genaue Ergebnisse liefern, werden sie als “korrekt” eingestuft und das Modell wird dann als “Theorie” bezeichnet. Korrekterweise dürfte man daher nicht von “string theory” oder “big bang theory” sprechen, da es sich noch um Hypothesen handelt.</p>

Die “String-Theorie” ist zum jetzigen Zeitpunkt nur ein mathematisches Modell, ein Konzept. Es ist eher theoretische Mathematik als Physik. Die String-Teilchen sind so klein, man kann sie weder physikalisch untersuchen, noch mit Computern sinnvoll simulieren.

Es ist wohl noch zu früh für die String-Theorie (bzw. die Superstring- oder M-Theorie). So forschen die Forscher schon mal auf Vorrat in der Hoffnung, dass sie die fehlenden Puzzleteile finden. Ob es ökonomisch sinnvoll ist, eine Nadel in einem Heuhaufen zu suchen, ist eine andere Frage. Das ging nicht in meine Benotung ein. Mir ist der Autor nicht selbstkritisch genug.

  • Brian Greene
  • The Elegant Universe: Superstrings, Hidden Dimensions, and the Quest for the Ultimate Theory
  • Vintage Books
  • 2005

Siehe auch die Renzension bei Amazon.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

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