Guter Einstieg mit kleinen Schwächen

Wer sich schnell mal ein paar typische Denkfehler angucken möchte, dem sei “Die Kunst des klaren Denkens” empfohlen.

Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen

Das Buch besteht aus 52 kleinen Kapiteln, in denen jeweils ein Denkfehler behandelt wird. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Buch zufrieden, aber es gibt Stellen, an denen auch der Autor auch nicht klar gedacht hat.

Zum Beispiel schreibt er (S. 178), dass die Menschheit für eine Jäger- und Sammler-Umgebung optimiert ist. Das stimmt natürlich nicht, denn z. B. Raubtiere, wie z. B. Löwen oder Grasfresser wie Kühe sind da sehr viel spezialisierter. Menschen laufen z. B. nicht schnell genug, um wirklich gute Jäger zu sein. Ein paar Zeilen weiter schreibt er sehr pauschal „Blitzschnelles reagieren war in der Vergangenheit überlebenswichtig. Nachdenken konnte tödlich sein“. Woher weiß er das? War er dabei? Und ist das nicht heute im Straßenverkehr noch genauso? So allgemein formuliert stimmt das natürlich nicht, denn wenn Jagen und Sammeln optimal für die Menschen war, hätten sie doch mit Ackerbau und Viehzucht gar nicht angefangen bzw. hätten es sehr schnell wieder sein gelassen.

Auf S. 216 schreibt er „In den letzten 10000 Jahren haben wir eine Welt geschaffen, die wir nicht mehr verstehen“. Das ist ganz großer Quatsch. Wir verstehen heute von der Welt sehr viel mehr, als vor 10000 Jahren. Man denke nur an die Medizin, an die Physik, Chemie, usw. Es stimmt, die Welt ist in der Summe komplexer, weil das Wissen gewachsen ist, dafür ist die Welt aber auch arbeitsteiliger geworden. Insgesamt haben wir heute einen Lebensstandard, den vor 100 Jahren nicht mal Könige hatten.

Der größte Fehler des Autors im Nachwort ist aber, dass er glaubt, dass die Denkfehler ihre Ursache in der Komplexität der heutigen Welt haben. Aber die Menschen würden auch als Jäger und Sammler im Busch nicht richtig denken. Der Autor vergisst hier, dass der Mensch sich alles aneignen muss. Er kommt unwissend auf die Welt und muss alles lernen und üben, sogar das aufrechte Gehen. Auch Sprechen, Schreiben, Rechnen, Radfahren, Schwimmen, Jagen und Sammeln muss man als Mensch lernen. Das ist nicht eingebaut. Wieso sollte das beim Denken anders sein?

Und wo lernen wir klares Denken? In der Regel nur implizit so nebenbei und da ist es kein Wunder, das so viele Fehler passieren. Klares Denken müsste ein Schulfach werden, es müsste einen Studiengang dafür geben, Fernsehsendungen, usw.

Also: Denken bzw. folgerichtiges Schließen muss man lernen und üben. Dieses Buch ist da ein nett geschriebener Appetizer.

  • Rolf Dobelli
  • Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen
  • Hanser
  • 2011

Siehe auch die Renzension bei Amazon

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

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