Seichte Unterhaltung erstellen: Weniger Intelligenz, mehr Emotionen

Ich habe zum Buch “Presentation Zen: Simple Ideas on Presentation Design and Delivery” eine geteilte Meinung und gebe daher nur 3 Sterne.

Presentation Zen: Simple Ideas on Presentation Design and Delivery

Auf der einen Seite kann ich von dem Buch profitieren, da viele Fehler bei der Erstellung von Präsentationen genannt werden und Tipps für bessere Präsentationen gegeben werden. Auch wenn viele dieser Tipps sehr allgemein sind, wie z. B. auf S.86 “Zuhören und Notizen machen”.

Andererseits bastelt der Autor aus den Zutaten New-Age, Progressivismus, Ökologie und Präsentationshandwerk eine Art ‘Religion’, die er selber sehr unkritisch sieht.

Ich habe die Befürchtung, dass durch diese ‘Religion’ der intellektuelle Anspruch der Vorträge abnimmt.

Es ist bei Vorträgen genauso wie beim Fernsehen, beim Theater und bei der Musik. “Denken tut weh” und daher bevorzugen die Menschen seichte Unterhaltung. Der Mensch zieht Freizeit und Vergnügen der Arbeit vor. Und folgerichtig empfiehlt der Autor statt auf “Bullet Points”, Rationalität und Wissen eher auf Emotionen und Bilder zu setzen, um beim Zuhörer besser anzukommen.

Wie man komplexe und schwierige Sachverhalte in Vorträgen behandelt, wird daher nicht besprochen. Die Lösung des Autors ist: den Vortrag einfach halten, auf die Kerninhalte reduzieren und separat einen schriftlichen Artikel während des Vortrags verteilen. Die Bildung des Zuhörers wird also an ihn selber delegiert.

Auch die im Buch angegeben Beispiele haben mich nur teilweise überzeugt. Wieso gibt es z. B. auf S. 170-171 Folien auf der nur einzelne Wörter, wie z. B. “But ‘”, “vision” oder “process”, stehen? Das Beispiel auf S. 166-167 zeigt meiner Meinung nach, wie man Bla-Bla-Bla durch Bilder (‘Schall und Rauch’) aufpeppt.

Weitere Punkte:

  • Der Autor ist kein “Digital Native” und glaubt, dass man ohne Computer kreativer arbeiten kann. Das ist allerdings bei den Menschen unterschiedlich und hängt davon ab, wie man Computer benutzt.
  • Der Autor spricht sich auch gegen Handouts aus (S.66, S.69). Wieso hat dann die Webseite Slideshare einen so großen Erfolg?
  • Die korrekte Verwendung von Zitaten wird man nicht in diesem Buch lernen (S.141). Der Autor vergisst zu erwähnen, dass der Kontext eines Zitates wichtig ist.
  • Auf S.133 wird eine Folie gezeigt, die nach Meinung des Autors eine tolle Folie ist. Es ist ein großer Hai im Wasser und der Schriftzug “Blogs are like sharks” zu sehen. Mein erster Gedanke war “Wieso haben Blogs keine natürlichen Feinde?”. Aber das war gar nicht gemeint. Also meiner Meinung nach keine gelungene Folie.
  • Zen ist eine Religion und von daher sollte man diese (zumindestens einmal im Buch) von einem kritischen Standpunkt aus betrachten.

Fazit: Teilweise nützlich.

  • Garr Reynolds
  • Presentation Zen: Simple Ideas on Presentation Design and Delivery
  • New Riders
  • 2008

Siehe auch die Renzension bei Amazon

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

 "Gute Erklärung von wirtschaftlichen Zusammenhängen" "Menschliche Eigenarten kurz vorgestellt und erläutert"