Nietzsches Hauptbegriffe

Konzepte

Die tragenden Begriffe des Buches, kurz erklärt. Jeder Eintrag verweist auf die Kapitel, in denen der Begriff anklingt.

Methode

Mit dem Hammer

Der Untertitel verspricht, „mit dem Hammer“ zu philosophieren. Wer dabei an eine Abrissbirne denkt, liest ihn falsch: Nietzsches Ziele sind „keine Zeitgötzen, sondern ewige Götzen“ — die höchsten Begriffe der Tradition —, und an sie wird „wie mit einer Stimmgabel“ gerührt. Manche klingen voll; andere geben jenen berühmten hohlen Ton, „der von geblähten Eingeweiden redet“.

Grundoperation

Umwerthung aller Werthe

Nietzsches große Aufgabe, deren „Fragezeichen so schwarz, so ungeheuer“ ist. Es geht ihm nicht darum, bessere Werte an die Stelle der alten zu setzen; er befragt die Werte selbst nach ihrer Herkunft. Entspringen sie aufsteigendem oder absteigendem Leben? Die Moral wird damit vom Richter zum Angeklagten.

Diagnose

Décadence

Aus der französischen Kulturkritik übernommen, wird die décadence zu Nietzsches diagnostischem Grundbegriff: absteigendes, erschöpftes Leben, das seine Schwäche in Werte umdeutet. Sokrates' Vernunft, das Mitleid, die „wahre Welt“: was sich als Heilmittel anbietet, liest Nietzsche als Symptom der Krankheit.

Metaphysik-Kritik

Die „wahre Welt“

Der metaphysische Grunddualismus: eine „wahre“, ewige Welt hinter der veränderlichen, „scheinbaren“. Nietzsche verfolgt in sechs Stufen ihr langsames Sterben und zieht am Ende die radikale Konsequenz: mit der wahren Welt fällt auch die scheinbare. Was bleibt, ist die eine Welt des Werdens, jenseits von wahr und scheinbar.

Kritik der Moral

Moral als Widernatur

Nietzsche unterscheidet zwei Moralen: die eine nimmt die Leidenschaften in Dienst und vergeistigt sie; die andere — die der Kirche — setzt auf ihre „Ausrottung“ und „Verschneidung“. Diese zweite ist widernatürlich, ein Nein zum Leben. Beurteilt wird eine Moral danach, ob in ihr aufsteigendes oder absteigendes Leben spricht.

Der freie Wille

Die vier grossen Irrthümer

Ursache und Folge verwechseln; Wille, Geist und Ich für Ursachen halten; Gründe für unsere Zustände erfinden; und der freie Wille. Dieser letzte ist für Nietzsche ein Machtinstrument der Theologen: nur ein freier Wille lässt sich schuldig sprechen und strafen. Fällt er, fällt die Schuld — es bleibt die „Unschuld des Werdens“.

Psychologie

Ressentiment

Das Ressentiment ist die verinnerlichte Rache dessen, der zur Tat zu schwach ist: er entwertet, was er nicht erreichen kann, und macht aus dieser Entwertung eine „Moral“. Nietzsche wittert es überall dort, wo das Große aus Groll herabgesetzt wird — bei Rousseau, bei Sainte-Beuve, in der Priestermoral.

Bejahung

Amor fati / das Dionysische

Nietzsches Gegenwort zum Christlichen. Das Dionysische will keine Erlösung vom Leben; es heiligt das Leben und bejaht Werden und Vergehen, Lust und Schmerz, noch das Opfer. „Amor fati“ — die Liebe zum Schicksal — und die ewige Wiederkehr sind die Formeln dieser höchsten Bejahung, die Nietzsche „den Alten“ verdankt.