Der DAX und das Wirtschaftswachstum

Wenn man sich die Entwicklung des deutschen Aktienindex (DAX) anguckt, dann kann man nur über das scheinbar grenzenlose Wachstum staunen. Eine Wirtschaft kann aber nach dem gesunden Menschenverstand nur dann wachsen, wenn sie etwas besser macht als vorher. Wenn z. B. die Produktivität der Mitarbeiter durch den Einsatz von Software gesteigert wurde.

Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung des DAX in den letzten Jahrzenten:

DAX

Wie man erkennt, gab es da in der Vergangenheit ein paar “Aufs” und “Abs”. Die zwei größten Krisen waren die “Internet-Bubble” von 1999/2000 und die Housing-Bubble und anschließende Weltwirtschaftskrise von 2007/2008. Auch im letzten Jahr 2015 gab es eine kleine Krise, eine Kurskorrektur. Im folgenden Diagramm sind diese eingezeichnet.

DAX annotiert

Nach der Krisen von 2000 bei einem Stand des DAX von ca. 7500 ging es wieder auf 2500 zurück. Anschließend wurde 2007 wieder ein Stand von 7500 erreicht, bis es auf ca. 3000 zurückging. Seit 2009 aber herrscht bis auf kleinere Kurskorrekturen uneingeschränktes Wachstum.

Woher kommt das? Es wurden keine wesentlichen technischen oder sozialen Erfindungen gemacht, die ein solches Wachstum rechtfertigen könnten. Weder die Technik noch die Management-Methoden haben so große Sprünge gemacht.

Ein wesentlicher Faktor in einem Wirtschaftssystem ist der Preis für das Leihen von Geld.

Zinsen drücken das Verhältnis von Geld zu zwei verschiedenen Zeitpunkten aus. Das Geld ist heute X wert und in einem Jahr X plus Zinsen. Wenn heute jemand Geld im Wert von X hat, dann kann er es selber investieren und z. B. Aktien kaufen und damit in einem Jahr einen Gewinn machen X plus Gewinn. Wenn er das Geld einem anderen leiht, verzichtet er auf diesen Gewinn und möchte stattdessen Zinsen haben. Der Zins drückt den Verzicht auf das Geld in der Gegenwart aus.

In einer freien Marktwirtschaft bildet sich der Zins “bottom up” im Markt. Im heutigen Wirtschaftssystem wird er allerdings “top down” durch den sog. Leitzins der Zentralbanken vorgegeben. In diesem Punkt ist das heutige Wirtschaftssystem eine Planwirtschaft und keine Marktwirtschaft.

Der folgende Graph zeigt die Entwicklung der Leitzinsen der US-amerikanischen FED und der europäischen EZB.

Leitzinsen der US-amerikanischen FED und der europäischen EZB

Wie man erkennen kann, sind die Leitzinsen seit 2009 sehr niedrig. Die niedrigen Zinsen wirken als “Wachstumsmotor”. Investitionen, die sich bei einem natürlichen Zins nicht gelohnt hätten, lohnen sich plötzlich. Die Politiker wollen die “Wirtschaft ankurbeln”.

Doch was sind die Nebenwirkungen dieser Politik?

Viele Kritiker sagen, dass die niedrigen Zinsen zu Fehlinvestitionen führen werden. Es werden Fabriken und Büroräume gebaut, die am Ende nicht benötigt werden. Das Sparen von Geld für die Rente lohnt sich nicht mehr, die Folge wird Altersarmut sein. Dieses wird zu weiteren staatlichen Interventionen führen. Die Leitzinsen sind schon fast bei 0% und nicht weiter senkbar. Eine Anhebung der Leitzinsen aber, verursacht eine “Verlangsamung” der Wirtschaft und hat damit negative Konsequenzen, z. B. auf den Arbeitsmarkt und wird solange wie möglich von den Politikern gemieden werden. Kein Politiker will durch eine Zurückführung des Leitzins auf frühere Werte wie z. B. 3% Arbeitslosigkeit verursachen. Es ist eine Sackgasse.

Die Frage ist: Wird durch niedrige Leitzinsen nachhaltiges Wachstum geschaffen oder nur eine oder mehrere neue Wirtschaftsblasen, die in der Zukunft einstürzen wird?

Fakt aber ist, das das Wachstum des DAX mit den niedrigen Leitzinsen erklärt werden kann. Der im obigen Diagramm mit einem roten Fragezeichen gekennzeichnete Zeitraum passt eins zu eins zu den niedrigen Leitzinsen.

Im folgenden Graph wurden zwei pessimistischere Prognosen (ohne Gewähr) einfach mal so “pi mal Daumen” eingezeichnet:

Zwei pessimistischere Prognosen

Bei der nächsten “richtigen” Krise wird es also höchstwahrscheinlich einen heftigen Kurssturz geben.

Diese Hypothese wird z. B. durch Meldungen in der Presse gestützt, die berichten, dass der Multimilliardär George Soros statt auf Aktien auf Gold setzt</a> (Mai 2016).

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

 "'Lag' und wie man ihn minimiert" "Planen ist ein agiler Prozess"