Überraschung mit hohem Informationsgehalt

George Gilder erläutert in Knowledge and Power: The Information Theory of Capitalism and How it is Revolutionizing our World, dass die Stärke des Kapitalismus seiner Meinung nach darin liegt, dass nur die erfolgreichen Unternehmen, die Gewinne machen, die Möglichkeit erhalten, weitere Produkte herzustellen. Sie haben ja ihre Nützlichkeit bewiesen, ihre Produkte wurden gekauft.

Knowledge and Power

Zur Produktion von Waren und bei der Durchführung von Dienstleistungen ist sehr viel Wissen erforderlich. Ein Unternehmen ist eine Art Experiment, wie und zu welchem Preis waren produziert werden können, die dann von der “demand”-Seite auch nachgefragt werden. Ein Unternehmen muss das Wissen erst erlernen. Der Gewinn, der aus erfolgreichem Wirtschaften entsteht, gibt dem Unternehmen dann die “Power” weiterzumachen. In der heutigen Welt wird die “Power” allerdings durch Eingriffe des Staats beeinträchtigt. Laut Gilder wird damit “Noise” in das System eingeführt und stark geschädigt. Er macht das z. B. besonders beim Insider-Handel mit Aktien deutlich, der verboten wurde. Der Handel mit Aktien sollte eigentlich auf den Informationen beruhen, die man über eine Firma hat und nicht auf Spekulationen. Je weniger Informationen es aber über die Firmen gibt, desto mehr wird das System zum “Kasino-Kapitalismus”. Denn der Aktienkauf beruht nicht mehr auf Fachinformationen, sondern auf dem Zufall. Das ist ein Beispiel dafür, dass eine gut gemeinte Regulierung negative Begleiterscheinungen hat und von “Linken” dann “dem Kapitalismus” als negative Systemeigenschaft vorgeworfen wird.

Der Autor benutzt als Analogie die Idee, dass Information eine Überraschung, eine Abweichung vom Regulären ist. Erfolgreiche Firmen bringen Ideen mit einem hohen Überraschungspotential auf den Markt. Also die Information ist für den Markt an sich hoch, nicht das Produkt an sich. Ein Buch mit einem einfachen Satzbau und wenig Wörtern hat einen geringeren Informationsgehalt als ein Buch mit einem großen Wortschatz. Aber den Markt interessiert hier der Gewinn und wie viele Folgeprodukte man evtl. noch verkaufen kann usw. Und diese marktrelevante Information ist es, die höher ist.

Diese informationstheoretische Begründung ist aber nur informell. Das ist keine mathematische Argumentation und im strengen Sinn auch keine “The Information Theory of Capitalism”, wie es z. B. mathematisch vorgebildete Wirtschaftswissenschaftler erwarten würden.  An manchen Stellen ist die Argumentation auch rein informationstechnisch nicht 100% sauber. Aber ich musste im Laufe des Buches feststellen, dass der Autor über sehr weitreichende Kenntnisse verfügt. Manchmal schlägt er da allerdings Schlachten, die nicht richtig zum Thema gehören, sondern eher in die amerikanische Politik. Andererseits ist alles interessant geschrieben und mich persönlich interessieren Querdenker sehr.

Auf der einen Seite hält das Buch nicht 100% was der Titel verspricht, auf der anderen Seite ist es aber ein sehr anregendes Buch, das sehr viele wirtschaftliche, naturwissenschaftliche und informationstechnische Themen behandelt. Der Autor hat ein sehr breites Wissen, seine Schwerpunkte sind Wirtschaft, Finanzmärkte, Venture-Kapital, Startup-Förderung und IT.

Auch wenn ich nicht mit allen Punkten des Autors übereinstimme und es ein paar Mängel gibt, ist das Buch ein Leseerlebnis und ich konnte es nur schwer aus der Hand legen.

  • George Gilder
  • Knowledge and Power: The Information Theory of Capitalism and How it is Revolutionizing our World
  • Regnery
  • 2013

Siehe auch die Renzension bei Amazon.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

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