Gehen Firmen zu optimistisch in die nächste Krise? (Teil 4/4)

Es ist sicher, dass es eine nächste Krise geben wird [1], nur der Zeitpunkt ist offen [2]. Wie überlebt man als Firma eine solche Krise?

Während des Booms im Sommer 2015

Beim Verfassen dieses Artikels befand sich die Wirtschaft in einem künstlichen Boom. Die Bescheidenheit bei Firmenpräsentationen und bei der Wahl der Büroräume ist nicht mehr da. Der Satz “we’re hiring” ist momentan oft zu lesen. Ich selber bin Freiberufler und ein Großteil der von mir kontaktierten Firmen sagte mir, dass sie nur mit Festangestellten arbeiten. Das hat auch mit der von der jetzigen Regierung verursachten unsicheren Rechtssituation von Selbstständigen zu tun, die sog. “Schein-Selbständigen”-Diskussion [10]. Viele dieser Firmen sind recht jung und wurden erst nach der letzten Krise von 2008 gegründet. Ich habe den Verdacht, dass diese Firmen nicht mit einer Krise rechnen und diese auch nicht einplanen. In den Mainstream-Medien wird die wirtschaftliche Situation momentan auch meistens gut dargestellt.

Selbstausbeutung gegen Aktien-Optionen

In Boom-Zeiten arbeiten viele junge Leute bei StartUp-Unternehmen wie wild für einen ziemlich geringen Lohn aber dafür mit der Aussicht eines fernen Tages mal Aktien-Optionen zu erhalten [7]. Dieses wird von den Medien als Unternehmensbeteiligung verkauft mit Schlagzeilen wie z. B. “Startup-Gründer machen ihre Mitarbeiter zu Mitunternehmern” [6]. Der Haken ist, das nur 6% der Unternehmensanteile von Mitarbeitern gehalten werden [6]. Mit 6% ist man aber noch lange kein “Mitunternehmer”. Und das noch größere Problem: die nächste Krise wird den IPO verhindern, so dass es nie zu diesen Aktien kommt. Man kann hier also die Naivität von jungen Leuten ausnutzen, um an billige Arbeitskräfte zu kommen.

Das Überleben einer Firma in einer Krise

Wenn eine Krise einbricht, dann sinken als erstes die Einnahmen einer Firma. Die Kunden springen ab [8]. Jetzt muss man entweder die Ausgaben senken oder das angesparte Kapital (die “Notgroschen”) aufzehren. Für Kapital bekommt man momentan keine Zinsen und Kredite sind momentan sehr leicht und zu niedrigen Zinsen zu haben. Damit haben viele Firmen höchstwahrscheinlich nicht viel angespart. Kredite werden schnell von den Banken bei Anbruch einer Krise gestoppt nach dem Motto “rote Zahlen - abschreiben”. Und damit müssen die Ausgaben der Firma gesenkt werden. In der “old economy” wird hier oft auf “Kurzarbeit” zurückgegriffen [5,9]. Bei der Softwareerstellung bilden die Personalkosten einen großen Teil der Ausgaben. Wenn die Firma jetzt bei Anbruch der Krise die Ausgaben senken muss, aber nur Festangestellte mit einer Kündigungsfrist von z. B. einem halben Jahr hat, dann kann sie die Ausgaben nicht schnell senken. Jetzt kommt es darauf an, wie lange die Krise dauert. Dauert sie zu lange, geht die Firma während der Krise insolvent. Die Firma war zu statisch und konnte sich nicht dynamisch an die veränderten Marktbedingungen anpassen. Die Mitarbeiter hatten aufgrund ihrer Festanstellung zwar einen guten Kündigungsschutz und damit ein Ideal der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften erfüllt, dieser bringt ihnen im Falle einer Insolvenz aber nichts. Sie waren nur im Scheinglauben einer “sozialen Sicherheit”.

In einer Firma mit freien Mitarbeitern hingegen würde man die Verträge der freien Mitarbeiter nicht verlängern, könnte damit in eine Art “Winterschlaf” gehen und die Krise überleben.

Firmen sind lernende Organismen

Man kann eine Firma als eine Art lernenden Organismus sehen, der wirtschaftliches Verhalten lernt [3]. Die Mitarbeiter der Firma lernen gemeinsam Aufgaben zu bewältigen. Dieses Wissen ist auf die Mitarbeiter verteilt. Wenn die Firma erhalten bleibt, dann bleibt das gelernte Wissen und die Organisation dieses Wissens erhalten. Wenn die Firma insolvent geht, wird sie aufgelöst und das Wissen ist verloren. Die einzelnen Mitarbeiter werden versuchen ihr gelerntes Wissen über Kooperation und wirtschaftliche Prozesse bei ihrer nächsten Arbeitsstelle wieder einzusetzen, aber das dauert eine Zeit. Volkswirtschaftlich gesehen macht es daher auf lange Sicht keinen Sicht statische aber zerbrechliche Firmen zu haben.

Feststellung: Eine Firma, die Freiberufler beschäftigt kann dynamisch auf wechselnde Anforderungen reagieren. Sie ist bezüglich einer Krise stabil bzw. robust. Eine Firma mit vielen Festangestellten ist “zerbrechlich”, wenn sie nicht über genügend angespartes Kapital für die Dauer der Krise verfügt. Die aktuelle Regierung hat allerdings leider eher das Ziel, die Selbständigkeit abzuschaffen und hat für erhebliche Verunsicherung gesorgt [10].

Fazit

Mal sehen, wie diese Unternehmen die nächste Krise meistern und ob sie dafür Hilfen vom Staat, wie z. B. Kurzarbeitsgelder benötigen. Nassim Taleb hat hier ein sehr interessantes Buch über “Zerbrechlichkeit” bzw. “Fragilität”, Robustheit und “Anti-Fragilität” geschrieben [4].

Literatur

  1. Jörn Dinkla. Wirtschaftskrisen: Manipulation des Leitzins löst Boom & Bust aus.
  2. Jörn Dinkla. Die Vorhersage von Wirtschaftskrisen.
  3. Gareth Morgan. Images of Organization Sage Publications. 2007
  4. Nassim Nicholas Taleb. Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen. Albrecht Knaus Verlag. 2013.
  5. Wikipedia. Kurzarbeit.
  6. Deutscher Startup Monitor 2014
  7. Stephan Dörner. Hip aber arm - So wenig verdient man bei Start-ups. Die Welt.
  8. Ben Horowitz. The Hard Thing About Hard Things: Building a Business When There Are No Easy Answers. HarperBusiness. 2014.
  9. Tagesschau. BMW, VW, Ford und MAN kündigen Kurzarbeit an. 2009.
  10. Christa Weidner. Selbständigkeit unerwünscht? Computerwoche.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

 "Lassen sich die Folgen einer Krise vorhersagen? (Teil 3/4)" "Wie Geschäftsmodelle Spass machen - Ein Leseerlebnis"