Sehr gute Einführung in die Österreichische Schule

In “Economics for Real People” geht es um ‘Wirtschaftslehre für echte Menschen’ und nicht für den homo oeconomicus oder andere mathematische Modelle.

Economics for Real People: An Introduction to the Austrian School

Ich verfügte bisher nur über Grundwissen in der Ökonomie und wollte in einem Computerprogramm eine kleine Marktwirtschaft mit Produzenten, Konsumenten und Händlern implementieren. Diesen Markt musste ich aus den Augen der zu programmierenden Agenten sehen, also ‘bottom-up’. Ich musste über Fragen, wie ‘Was sollte ich produzieren?’, ‘Wo ist der Gewinn am größten?’ oder ‘Welches der beiden Produkte kaufe ich?’ nachdenken, um sie dann programmieren zu können. Daher suchte ich Literatur, in der wirtschaftliche Zusammenhänge in der Ich-Perspektive erläutert werden.

Die Standard-Einführungen in die Wirtschaftslehre haben allerdings eine andere Perspektive, nämlich ‘top-down’. Da werden Kennzahlen und statistische Maße und natürlich viele Diagramme und Kurven benutzt. Das ist zwar auch alles interessant, versetzt mich aber nicht in die Lage wirtschaftliche Argumentationen zu verstehen.

Fündig wurde ich allerdings eher bei Büchern von Anhängern der sogenannten Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Ausgangspunkt ist hier der Mensch und seine Aktionen. Die Theorie wird logisch hergeleitet und nicht anhand von statistischen Analysen von beobachteten Marktpreisen. Dieses ist auch der Grund für den Titel des Buches ‘Wirtschaftslehre für echte Menschen’ und nicht für den homo oeconomicus oder andere mathematische Modelle. Ich empfehle jedem, sich mit dieser Schule auseinanderzusetzen, weil sich hier viele aktuelle Probleme der Wirtschaft logisch nachvollziehen lassen.

Dieses Buch ist eine Einführung und man kann es als interessierter Laie gut verstehen. Das Ziel des Verfassers ist es, den Leser für die österreichische Schule zu interessieren (so sagt er es im Vorwort ). Er gibt am Ende des Buches viele weiterführende Bücher an.

Der Autor behandelt recht viel Stoff. Ausgehend von einer Robinson-Ökonomie (ein Mensch auf einer einsamen Insel) erklärt er zuerst die Grundlagen, u.a. Praxeologie, Grenznutzentheorie und Zeitpräferenzen.

Anschließend weitet er die Ökonomie auf mehrere Teilnehmer aus und behandelt direkten und indirekten Tausch, Märkte, Geld, Wirtschaftsrechnung, Equilibrium, Kapital, Banken, sowie Inflation und Deflation.

Daraufhin erklärt der Autor die Österreichische Konjunkturtheorie (‘Austrian Business Cycle Theory’, ABCT) und Eingriffe in den Markt (‘Interventionismus’), Regulierungen, den Wohlfahrtsstaat und Regierungsprojekte, wie z.B. Sportstadien.

Im letzten Teil stellt der Autor die unterschiedlichen Einstellungen zum Staat der vier berühmten ‘Österreicher’ Lachmann, Hayek, Mises und Rothbard vor. Im Anhang A erläutert er kurz die Geschichte der österreichischen Schule.

Das Buch ist gut geschrieben, hat gute Erklärungen und ist an vielen Stellen humorvoll.

Ich kann das Buch nur empfehlen.

  • Gene Callahan
  • Economics for Real People: An Introduction to the Austrian School
  • Ludwig von Mises Institute
  • 2011

Siehe auch die Renzension bei Amazon

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

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