Gute Erklärung von wirtschaftlichen Zusammenhängen

Wirtschaft aus der “bottom up”-Perspektive

Lessons for the Young Economist

Ich verfüge nur über Grundwissen in der Ökonomie und hatte den Wunsch, in einem Computerprogramm eine kleine Marktwirtschaft mit Produzenten, Konsumenten und Händlern zu implementieren. Diesen Markt muss ich aus den Augen der zu programmierenden Agenten sehen, also ‘bottom-up’. Ich musste über Fragen, wie ‘Was sollte ich produzieren?’, ‘Wo ist der Gewinn am größten?’ oder ‘Welches der beiden Produkte kauft der Agent?’ nachdenken, um sie dann programmieren zu können. Daher suchte Ich Literatur, in der wirtschaftliche Zusammenhänge in der Ich-Perspektive erläutert werden.

Die Standard-Einführungen in die Wirtschaftslehre haben allerdings alle eine gänzlich andere Perspektive, nämlich ‘top-down’. Da werden Kennzahlen und statistische Maße und natürlich viele Diagramme und Kurven benutzt. Das ist zwar auch alles interessant, versetzt mich aber nicht in die Lage wirtschaftliche Argumentationen von Menschen zu verstehen.

Fündig wurde ich allerdings bei Büchern von Anhängern der sogenannten Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Hier stehen das Individuum und seine Aktionen im Vordergrund und die Theorie wird logisch hergeleitet und nicht anhand von statistischen Analyse von beobachteten Marktpreisen. Ich empfehle jedem, sich mit dieser Schule auseinanderzusetzen, weil sich hier viele aktuelle Probleme der Wirtschaft logisch nachvollziehen lassen.

Ich habe eine ganze Reihe von Einführungen in diese Schule gefunden und dieses Buch von Robert P. Murphy ist eine davon. Es richtet sich vornehmlich an jüngere Leser (siehe ‘young’ im Titel), ist aber auch mit Gewinn von älteren Leuten zu lesen, sofern noch keine tieferen Kenntnisse der Wirtschaftslehre oder der österreichischen Schule bestehen.

Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte. Im ersten werden die Grundlagen des ökonomischen Denkens erklärt mit u.a. Privateigentum, Arbeit, Kapital, Geld, Märkte, Angebot und Nachfrage, Zinsen, Schulden und Aktienmärkten. Im zweiten Teil erklärt der Autor, warum der Sozialismus aufgrund fehlender Anreize und der nicht möglichen Wirtschaftsrechnung (es gibt keine Marktpreise) nicht funktionieren kann. Im dritten Teil werden interventionistische Maßnahmen (also Korrekturen und Regulierungen der Marktwirtschaft), wie Preiskontrollen, Steuern, Zölle und Prohibition untersucht. Schließlich liefern die Abschnitte über die Inflation, Staatsschulden und den Business-Cycle auch Nachdenkliches über die augenblickliche wirtschaftliche Situation.

Das Buch ist sehr empfehlenswert (vorausgesetzt man kann genügend Englisch).

  • Robert P. Murphy
  • Lessons for the Young Economist
  • Ludwig von Mises Institute
  • 2010

Siehe auch die Renzension bei Amazon

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im November 2016 an das neue Blog-Format angepasst.

 "Hervorragende Erklärung der Krise und Ihrer Ursachen" "Seichte Unterhaltung erstellen: Weniger Intelligenz, mehr Emotionen"